Social-Media-Verhalten der Gen Z & Alpha – Analyse 2025

Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 14 bis 24 Jahren sind täglich intensiv online – im Schnitt verbringen 12- bis 19-Jährige in Deutschland rund 224 Minuten pro Tag im Internet. Soziale Medien und Messenger nehmen dabei einen zentralen Platz ein. Nahezu alle Jugendlichen nutzen Messenger-Dienste wie WhatsApp regelmäßig (94 % der 12- bis 19-Jährigen), um privat in Kontakt zu bleiben. Auch in der erweiterten Altersgruppe bis 29 Jahre verwenden 90 % täglich einen Messenger.

Bei den Social-Media-Plattformen selbst dominiert in Deutschland inzwischen Instagram, gefolgt von TikTok, Snapchat und YouTube als Favoriten der Jugend. Laut JIM-Studie 2023 nutzen 62 % der 12–19-Jährigen Instagram regelmäßig, 59 % TikTok und 49 % Snapchat. YouTube wird sogar von über 60 % dieser Jugendlichen häufig genutzt, vor allem um Videos und Serien zu schauen. Ältere Jugendliche und junge Erwachsene bis Mitte 20 zeigen ein ähnliches Nutzungsverhalten: In der Regel sind visuelle und videobasierte Netzwerke am beliebtesten, während klassische Netzwerke wie Facebook in dieser Altersgruppe stark an Bedeutung verloren haben.

Beispielsweise hat Instagram 2024 in der Gesamtbevölkerung zwar Facebook als meistgenutztes soziales Netzwerk abgelöst– bei den unter 25-Jährigen liegt Facebook aber weit abgeschlagen hinter den oben genannten Angeboten. Fast 70 % der 14–29-Jährigen nutzen täglich irgendein soziales Netzwerk, wobei insbesondere die jüngeren User mehrmals täglich aktiv sind. US-Daten zeigen ein ähnliches Bild: Etwa 47 % der Gen Z nutzen YouTube mehrere Male am Tag, gefolgt von TikTok und Instagram (je ~41 % tägliche Nutzung). Dies verdeutlicht den hohen Stellenwert von Social Media in der Lebenswelt junger Menschen.

Wofür nutzen Jugendliche diese Netzwerke?

Zum einen zur Unterhaltung: Knapp 69 % der Gen Z geben an, dass sie soziale Plattformen vor allem für lustige, unterhaltsame Inhalte aufsuchen – kurze Videos, Memes, Challenges und ähnliches stehen hoch im Kurs. Zugleich ist Social Media ein zentrales Kommunikationsmedium: Rund die Hälfte der jungen Nutzer nennt das Vernetztbleiben mit Freunden als Hauptgrund. Funktionen wie Direktnachrichten, Gruppen-Chats (etwa in WhatsApp oder Instagram) sowie das gemeinsame Erleben von Inhalten (z.B. Story-Posts von Freunden) unterstützen diesen sozialen Austausch.

Darüber hinaus wird Social Media zunehmend auch zur Informationsquelle: Etwa 39 % der Gen Z nutzen soziale Medien gezielt, um sich über Nachrichten, Trends und aktuelle Themen zu informieren. Im deutschsprachigen Raum geben Jugendliche sogar an, dass soziale Netzwerke für sie die wichtigste Quelle für Neuigkeiten darstellen – mehr dazu im Abschnitt „Informationsverhalten“.

Zusammengefasst pflegen 14- bis 24-Jährige typischerweise ein Multiplattform-Nutzungsverhalten: WhatsApp für die Alltagskommunikation, Instagram zur Selbstinszenierung und zum Freunden folgen, TikTok für kurzweilige Unterhaltung, Snapchat für spontane Momentaufnahmen im engen Freundeskreis, und YouTube für längere Videos oder Tutorials.

Dieses Nebeneinander verschiedener Apps erfüllt unterschiedliche Bedürfnisse. Ein neues soziales Netzwerk müsste sich also in dieses Gefüge einfügen oder einen klaren Mehrwert bieten, um Aufmerksamkeit der Jugendlichen zu gewinnen.

Erwartungen der Jugend: Wichtige Funktionen und kreative Möglichkeiten

Jugendliche haben klare Vorstellungen davon, was eine Social-Media-Plattform bieten sollte. Die Erwartungen lassen sich in mehrere Bereiche gliedern:

Kreative Ausdrucksmöglichkeiten & Interaktivität

Junge Nutzer lieben es, sich kreativ auszutoben und aktiv zu beteiligen. Funktionen wie Augmented-Reality-Filter, mit denen sich Fotos und Videos spielerisch aufpeppen lassen, gehören inzwischen zum Standard und fördern den Spaß an der Plattform. Ebenso wichtig sind interaktive Features – Umfragen, Quiz-Sticker, „Fragen an den Creator“ und ähnliche Tools (bekannt aus Instagram Stories oder Snapchat) erhöhen die Beteiligung der Community und machen Inhalte lebendiger.

User-Challenges und virale Trends, bei denen die Jugendlichen selbst Videos erstellen und an Memes oder Tanz-Challenges teilnehmen, sprechen den Spieltrieb an und erzeugen Gemeinschaftsgefühl. Ein neues Netzwerk sollte also reichlich kreative Tools zum Erstellen von eigenen Inhalten bieten – von einfachen Video-Editing-Funktionen über Musik-Einbindung (TikTok lebt z.B. von seiner Musikbibliothek) bis hin zu AR-Linsen und Effekten, um sich auszudrücken. Diese Generation ist es gewohnt, Inhalte nicht nur zu konsumieren, sondern auch selbst zu gestalten.

Authentizität und vergängliche Inhalte

Die „Generation Z“ legt viel Wert auf echte, ungefilterte Einblicke. Allzu perfekt inszenierte Posts wirken auf viele Jugendliche weniger attraktiv – vielmehr bevorzugen sie Inhalte, die authentisch und spontan wirken. Deshalb sind Story-Formate und andere temporäre Posts so erfolgreich: Wenn Beiträge nach 24 Stunden verschwinden (Instagram/Snapchat Stories, oder Apps wie BeReal mit einmaligen Momentaufnahmen), entsteht weniger Druck, ein „perfektes“ Bild zu präsentieren.

Über 80 % der Gen Z geben an, förmlich an Instagram Stories zu hängen – dieses Format befriedigt das Bedürfnis nach Aktualität und Unmittelbarkeit. Ein neues Netzwerk sollte also ephemere Inhalte erlauben, um die Nutzer zu häufigem und lockerem Teilen zu motivieren. Funktionen wie z.B. tägliche „Aufnahmefenster“ (analog zu BeReal, wo man einmal am Tag spontan ein Foto teilt) könnten das Gefühl stärken, echte Einblicke ins Leben der Freunde zu bekommen, statt nur kuratierte Highlight-Reels. Insgesamt erwarten junge Leute eine Plattform, auf der sie sich ungezwungen und „echt“ darstellen können, ohne Angst vor dauerhaften digitalen Spuren.

Soziales Miteinander & Community

Im Kern sind soziale Netzwerke für Jugendliche Orte, um mit Freunden und Gleichgesinnten verbunden zu sein. Direkte Kommunikation (Chats, Gruppenchats, private Stories) ist daher essenziell. 79 % der Gen Z folgen online ihren realen Freunden, d.h. sie möchten am Leben ihres sozialen Kreises teilhaben. Eine neue Plattform muss also soziale Interaktionen erleichtern – etwa durch leichtes Finden und Hinzufügen von Freunden, Möglichkeiten zum gemeinsamen Erstellen von Inhalten (Collab-Features) und Community-Building rund um Interessen.

Jugendliche suchen auch Zugehörigkeit in Themen- oder Fandom-Communities. Plattformen wie Discord oder Reddit zeigen, dass junge Menschen gerne in Nischen-Communities diskutieren. Ein neues Netzwerk könnte daher themenspezifische Gruppen, Foren oder lokale Communities anbieten, in denen sich junge Leute austauschen können.

Wichtig ist vielen Jugendlichen zudem die Interaktion mit Idolen oder Influencern: Rund 39 % folgen Influencern regelmäßig, und die Plattform sollte solche Creator-Fan-Interaktionen (Live-Q&As, Kommentarbereiche, etc.) unterstützen. Kurz gesagt: soziale Funktionen – vom like/comment bis zur privaten Nachricht – müssen reibungslos integriert sein.

Positive und sichere Umgebung

Die sogenannte Rahmenbedingungen – also die Umgebung und Regeln der Plattform – sind für Jugendliche ebenfalls von Bedeutung. Viele junge Nutzer sind sich der Schattenseiten bewusst (Cybermobbing, Hate Speech, gefährliche Challenges etc.) und wünschen sich Schutzmechanismen. So gaben in einer deutschen Studie 30 % der 12–19-Jährigen an, bereits online sexualisierte Belästigung erlebt zu haben.

Eine Plattform, die proaktiv gegen Belästigung, Fake-Profile und Hassrede vorgeht, kann bei jungen Leuten punkten. Dazu zählen z.B. starke Moderation, Meldefunktionen, Filter für beleidigende Kommentare und ggf. Altersfilter für sensible Inhalte. Auch Datenschutz und Privatsphäre spielen gerade im deutschsprachigen Raum eine Rolle: Jugendliche wollen die Kontrolle darüber, wer ihre Beiträge sieht (deshalb sind z.B. private Profile bei Jugendlichen beliebt).

Granulare Privatsphäre-Einstellungen – etwa enge Freunde-Listen, anonyme Frage-Features nur für Bekannte, oder die Möglichkeit, den eigenen Online-Status zu verbergen – schaffen Vertrauen. Die Plattform der Zukunft sollte zudem auf die mentale Gesundheit achten: Viele junge Menschen begrüßen Features, die z.B. das exzessive Scrollen begrenzen oder Achtsamkeit fördern (einige Apps erinnern an Bildschirmpausen).

Schließlich achten Gen Z zunehmend darauf, dass Unternehmen sozial verantwortlich handeln. Sie erwarten transparente Kommunikation und dass Plattformen Werte wie Diversität und Nachhaltigkeit unterstützen. Zusammengefasst: Ein sicheres, respektvolles Klima und Nutzerschutz (Datenschutz, Wohlergehen) sind wichtigen Teile des Angebots, nicht nur Spielereien.

Social Media als Nachrichtenquelle: Informationsverhalten der jungen Generation

Neben Spaß und sozialem Austausch spielt Social Media für viele 14- bis 24-Jährige auch als Nachrichten- und Informationsmedium eine große Rolle. Klassische Nachrichtenformate (z.B. TV-Nachrichten oder Zeitungen) erreichen Jugendliche immer seltener direkt. Stattdessen gelangen News über Umwege an sie – etwa via geteilte Posts, Memes oder Influencer-Beiträge.

Studien im deutschsprachigen Raum belegen, dass soziale Netzwerke die wichtigsten Info-Quellen für Jugendliche sind. In einer Befragung (#UseTheNews 2021) gab knapp die Hälfte (49 %) der Jugendlichen an, es sei ihnen wichtig, über aktuelle Ereignisse informiert zu sein. Doch nur eine Minderheit nutzt dafür aktiv klassische journalistische Angebote.

Stattdessen scrollt die Mehrheit durch Social Feeds, wo sie zwangsläufig auch Nachrichtenhappen aufschnappt. So ergab die Studie, dass über 70 % der Nachrichteninteressierten Jugendlichen mehrmals pro Woche Social Media nutzen, um sich zu informieren. Sogar unter denjenigen Jugendlichen, die sonst wenig Interesse an Nachrichten haben, greifen nahezu alle regelmäßig auf soziale Netzwerke zurück, „um Neues zu erfahren“[9].

Im Vergleich dazu liest nur rund 46 % der Jugend mehrmals wöchentlich traditionelle Nachrichtenquellen[9]. Statt Zeitungen oder Tagesschau direkt zu konsumieren, bevorzugen viele junge Leute aufbereitete Infos in ihrem bevorzugten Medium – z.B. Insta-Posts, YouTube-Erklärvideos oder TikTok-Clips zu News.

Influencer, Stars und Online-Persönlichkeiten nehmen dabei einen wichtigen Platz ein: 58 % der befragten Jugendlichen nutzen mehrmals wöchentlich Inhalte von Influencern/Prominenten als Informationsquelle. In bestimmten Subgruppen halten über die Hälfte der Jugendlichen Influencer sogar für sehr wichtig für die eigene Meinungsbildung.

Dieses Verhalten hat zwei Seiten: Einerseits erreichen Nachrichten die Jugend dort, wo sie sich ohnehin aufhält – z.B. kuratierte Meldungen im Instagram-Feed, Nachrichten-Videos auf YouTube (z.B. MrWissen2Go, einer der von ARD/ZDF geförderten Kanäle oder kurze Erklärstücke auf TikTok (z.B. Formate wie „nicetoknow“ vom WDR). Viele etablierte Medienhäuser passen sich an und liefern News im Snack-Format auf Instagram, Snapchat Discover oder TikTok.

Andererseits besteht die Gefahr, dass Jugendliche eher fragmentierte oder oberflächliche Infos bekommen und wichtige Hintergründe verpassen. Die #UseTheNews-Studie zeigte z.B., dass gerade den weniger nachrichtenaffinen Jugendlichen häufig der Alltagsbezug und Hintergrundinfos in der Berichterstattung fehlen. Wenn News nicht verständlich machen „Was hat das mit meinem Alltag zu tun?“, schalten junge Leute ab.

Ideal wäre eine Kombination aus sozialer Interaktion und verlässlicher Information. Das heißt: Eine Plattform, die informative Inhalte nahtlos in den sozialen Feed integriert, könnte Jugendlichen Mehrwert bieten. Einige existierende Ansätze liefern hier Inspiration: Snapchat beispielsweise hat den „Discover“-Bereich, wo kuratierte Story-Formate von Nachrichtenmedien (z.B. Spiegel, Sky News etc.) direkt neben Freundes-Stories stehen. Instagram ermöglichte mit IGTV/Reels und verifizierten News-Accounts (z.B. Tagesschau auf Insta) ebenfalls, dass seriöse News in jugendgerechter Aufbereitung im gleichen Umfeld auftauchen wie private Posts.

Junge Nutzer in Deutschland verfolgen solche Angebote durchaus – solange die Inhalte visuell ansprechend, verständlich und kompakt sind. Wichtig ist ihnen auch die Möglichkeit, diese Inhalte zu teilen und zu diskutieren, etwa in den Kommentarspalten oder im privaten Chat mit Freunden. So wird Nachrichtenkonsum zu einem sozialen Erlebnis.

Ein neues Netzwerk müsste also darauf achten, Nachrichten und Unterhaltung nicht strikt zu trennen, sondern beides intelligent zu verzahnen. Denkbar wären z.B. personalisierbare Feeds, in denen neben Freundes-Updates auch lokal oder persönlich relevante News erscheinen, oder Features, die es anerkannten Medien und zugleich Nachwuchs-Creatorn erlauben, Nachrichten in trendgerechtem Format (Memes, kurze Videos, Infografiken) bereitzustellen.

Dabei sollte die Plattform im Hintergrund für Faktentreue und Quellenkenntlichmachung sorgen, um Vertrauen zu schaffen – denn die Verbreitung von Fake News ist Jugendlichen ebenso bewusst und ein echtes Problem. Kurzum: Die Generation 14–24 wünscht sich Informationen, die so aufbereitet sind, dass sie in ihren digitalen Alltag passen, ohne auf Glaubwürdigkeit verzichten zu müssen.

Fazit: Was ein neues soziales Netzwerk bieten müsste

Abschließend lässt sich skizzieren, welche Schlüssel-Features und Qualitäten eine neue Social-Media-Plattform mitbringen müsste, um im deutschsprachigen Raum besonders für 14- bis 24-Jährige attraktiv zu sein:

Visuelles, kreatives Erlebnis

Die Plattform sollte reich an kreativen Tools sein – von AR-Filtern über Musikintegration bis zu einfachen Video-Editoren. Junge Nutzer wollen Content gestalten und nicht nur passiv konsumieren. Virale Challenges, Remix-Features und spielerische Elemente fördern die Beteiligung. Je intuitiver und spaßiger die Kreativ-Funktionen, desto mehr fühlt sich die Zielgruppe angesprochen.

Authentische und ephemere Kommunikation

Um die Hemmschwelle zum Teilen zu senken, sollte ein neues Netzwerk Ephemeral Content in den Vordergrund stellen – z.B. Story-ähnliche Beiträge, die nach kurzer Zeit verschwinden. Das ermöglicht spontane, echte Einblicke ohne Perfektionsdruck. Eine authentische Kultur (z.B. mit Features à la BeReal für ungestellte Momentaufnahmen) würde den Nerv der Zeit treffen. Authentizität muss in der Plattformarchitektur verankert sein – etwa durch Formate, die weniger auf Follower-Zahlen und mehr auf echten Austausch abzielen.

Nahtlose soziale Interaktion

Die Kernfunktion bleibt das Vernetzen mit Freunden und Gleichaltrigen. Eine neue Plattform muss deshalb hervorragende Kommunikationsfeatures haben: zuverlässige Chats (1:1 und Gruppen), vielleicht Audio/Video-Chat, Möglichkeiten zum schnellen Teilen von Inhalten mit dem Freundeskreis, Reaktions-Features (Emojis, Sticker-Reaktionen) und mehr. Sie sollte den Community-Aspekt betonen – z.B. durch öffentliche und private Gruppen zu Hobbys, lokale Events oder Schul-Netzwerke.

Die Jugend möchte sich dort aufhalten, wo auch ihre Freunde sind – daher muss ein neues Netzwerk Mechanismen haben, um den sozialen Graphen schnell aufzubauen (Freunde einladen, Kontakte finden, Sync mit Telefonbuch o.ä.).

Spannender Content-Feed mit Personalisierung

Junge Nutzer sind es gewöhnt, dass ihnen ein endloser Stream an unterhaltsamen Inhalten serviert wird (TikTok macht es vor). Ein neues Netzwerk sollte daher einen intelligenten Algorithmus bieten, der Inhalte zeigt, die für die jeweilige Person relevant und interessant sind – sei es von Freunden oder von Creatorn.

Insbesondere Kurzvideo-Formate und visuelle Posts sollten im Feed eine große Rolle spielen, da diese Form am meisten Engagement erzeugt. Personalisierung ist key: Die Plattform sollte lernen, was der Nutzer mag (Comedy, Fashion, Gaming, News etc.) und dementsprechend mixen. International zeigt insbesondere TikTok, wie ein guter Empfehlung-Algorithmus junge Leute fesseln kann.

Kombination von privater Kommunikation und Information

Wie oben analysiert, suchen Jugendliche sowohl Spaß mit Freunden als auch Infos über die Welt. Ein hybrides Konzept wäre ideal: Das Netzwerk sollte seriöse Informationsinhalte attraktiv aufbereitet anbieten – vielleicht durch Kollaborationen mit Medienpartnern, eigenen News-Sections im Story-Format oder durch Hervorheben von Creator Content zu News.

Wichtig ist, dass diese Info-Angebote niedrigschwellig daherkommen (kurz, visuell, auf Alltagsrelevanz getrimmt) und sich leicht teilen oder diskutieren lassen. So könnten Jugendliche z.B. einen kurzen Newspost in ihre Story übernehmen und mit Freunden besprechen. Die Plattform kann hier von internationalen Vorbildern lernen: Etwa die chinesische App WeChat, die Messaging, Social Feed und News-Services in einem anbietet, oder Snapchats Ansatz mit kuratierten Inhalten neben Freundestorys.

Aus den USA und Frankreich sieht man am Hype um BeReal, dass Ehrlichkeit zieht – aber um relevant zu bleiben, muss die App auch informative Inhalte einbinden können, damit Nutzer nicht für Nachrichten wieder woanders hin abwandern.

Sicherheit, Kontrolle und Wohlfühlatmosphäre

Ein neues soziales Netzwerk muss einen vertrauenswürdigen Rahmen bieten, damit gerade jüngere Nutzer (und deren Eltern) sich darauf einlassen. Dazu zählt Privacy by Default (Standard-Einstellungen, die Privatsphäre schützen, z.B. Inhalte nur für Freundeskreis sichtbar), transparente Datenschutzrichtlinien und keine versteckten Kosten.

Content-Moderation sollte spürbar vorhanden sein: Jugendschutz-Filter, Meldesysteme und Community-Regeln, die z.B. Mobbing unterbinden, sind unerlässlich. Ebenso sollte die Plattform Tools bereitstellen, die den Nutzern helfen, ihre Nutzungszeit zu managen (z.B. optionale Erinnerung nach X Stunden Nutzung) und mentale Gesundheit zu fördern – im Gespräch sind etwa Features, die auf potenziell schädliche Inhalte (z.B. Schönheitsfilter oder extrem retuschierte Bilder) hinweisen, um den sozialen Vergleichsdruck zu mindern.

Eine positive Kultur – etwa durch Belohnung von konstruktiven Beiträgen oder Hervorheben wohltätiger Aktionen – kann die Generation, die sehr auf Werte achtet, ebenfalls anziehen. Kurzum: Das Umfeld muss sicher, inklusiv und user-zentriert sein.

Innovative Mehrwertdienste & Trends

Um sich abzuheben, könnte ein neues Netzwerk auch neue Technologien und Trends aufgreifen, die junge Early Adopters spannend finden. Beispiele wären AR- und VR-Erlebnisse (virtuelle Räume zum Abhängen mit Freunden), Gamification-Elemente (Levels, Abzeichen für Aktivität oder kreative Challenges), oder auch die Integration von Musik und Shopping (z.B. direkt aus einem Post ein Outfit kaufen, analog zu TikTok Shopping).

In einigen Ländern sind solche Features bereits erfolgreich – etwa Douyin/TikTok in China mit In-App-Shopping, oder die Beliebtheit von Voice-Chats und Audio-Plattformen (z.B. Discord). Zwar steht das Soziale im Vordergrund, aber solche Zusatzfunktionen können Jugendliche neugierig machen, solange sie nahtlos eingebunden sind.

Wichtig ist, dass die Plattform flexibel bleibt und neue Trends schnell adaptiert, denn die Jugend wandert sonst rasch zur nächsten App weiter.

Fazit

Ein neues soziales Netzwerk für 14- bis 24-Jährige muss im Grunde das Bestehende neu kombinieren: die Kommunikationsfunktionen eines WhatsApp, die Kreativfeatures und den Unterhaltungswert eines TikTok/Instagram, die Authentizität eines BeReal, sowie die Informationszugänge eines Nachrichtenportals – alles vereint in einer benutzerfreundlichen, sicheren Umgebung. Die internationalen Beispiele zeigen, worauf es ankommt, aber der Fokus auf den deutschsprachigen Raum bedeutet auch, lokale Bedürfnisse ernst zu nehmen (z.B. hoher Datenschutzanspruch, beliebte lokale Creator und Medienangebote einzubinden).

Gelingt dieser Spagat, hätte ein neues Netzwerk gute Chancen, die junge Generation nachhaltig zu begeistern – denn der Bedarf nach Austausch, Selbstexpression und Information ist in diesem Alter ungebrochen hoch. Die Plattform, die diese Erwartungen der Jugend am besten erfüllt, wird ihre Aufmerksamkeit und Loyalität gewinnen.

Welche Funktionen würden junge Menschen in einem neuen Netzwerk am meisten lieben? Diskutieren Sie mit – oder entdecken Sie unsere Ideen im Projekt ‚Reinvent Social Media‘.

Quellen:


Daniela Vey

Seit 2004 als leidenschaftliche Informationsdesignerin selbständig. Neben meiner Tätigkeit als Dozentin für verschiedene Hochschulen und Akademien, vermittle ich mit Begeisterung mein Expertenwissen in den Bereichen Social Media, Design und User Experience. Auf der AllSocial-Konferenz trifft man mich als Moderatorin und Speakerin.

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