Europa nutzt heute fast ausschließlich Social-Media-Plattformen aus Übersee – schätzungsweise über 80 % der Social-Media-Aktivität auf unserem Kontinent laufen über US-Konzerne wie Meta (Facebook, Instagram). Tatsächlich gehört keine der im Alltag meistgenutzten Plattformen zu einem europäischen Unternehmen.
Angesichts aktueller Entwicklungen – etwa den politischen Verwerfungen in den USA und der Machtausübung einer „Tech-Bro“-Elite im Silicon Valley – wird die Forderung laut, eigenständige europäische soziale Netzwerke aufzubauen.
Politische Gründe: Demokratie, Souveränität und Kontrolle
Demokratieschutz & Desinformation
US-basierte soziale Medien haben sich zu mächtigen Faktoren für politische Meinungsbildung und Desinformation entwickelt. Studien warnen, dass der missbräuchliche Einsatzvon Netzwerken wie X (Twitter), TikTok, Instagram oder Facebook – etwa durch Bot-Armeen – eine Bedrohung für die Grundlagen der Demokratie darstellen. Solche Plattformen priorisieren oft die weiteste Verbreitung von Inhalten via Algorithmen, was emotional polarisierende und toxische Botschaften begünstigt.
Die Folge sind verzerrte öffentliche Debatten und eine fragmentierte „Wahrheitsfindung“. Europäische Werte wie Respekt vor Fakten, Meinungsvielfalt und Rechtsstaatlichkeit geraten unter Druck, wenn die dominierenden Netzwerke Desinformation und extremistische Inhalte nicht wirksam eindämmen. Eine europäische Social-Media-Plattform könnte hier Gegenakzente setzen – etwa durch verbindliche Standards für Faktenchecks, Moderation und Transparenz, im Einklang mit demokratischen Grundrechten und EU-Regeln.
Digitale Souveränität & strategische Autonomie
Die Abhängigkeit Europas von ausländischen Netzwerken birgt erhebliche Risiken für Souveränität und Sicherheit. Mehrere Experten sehen darin ein sicherheitspolitisches Problem, da wertvolle Nutzerdaten beständig in fremde Jurisdiktionen abfließen und auswärtige Mächte Einfluss nehmen können. Ein plastisches Szenario skizzierte der schwedische Forscher Carl Heath: In einem politischen Konflikt könnten die USA ihre Tech-Konzerne zwingen, ihre Dienste in Europa einzuschränken oder die Datenströme gezielt zu manipulieren.
Tatsächlich wäre es für eine zukünftige US-Regierung möglich, den Nachrichtenfeed europäischer Nutzer subtil zu verzerren – z.B. verstärkt Unruhen aus Amerika zu zeigen – um die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Solche Abhängigkeiten gefährden die europäische Handlungsfreiheit. Eigenständige soziale Netzwerke unter europäischer Kontrolle würden dagegen die digitale Resilienz stärken: Europa könnte im Krisenfall seine Kommunikationskanäle aufrechterhalten und Datenhoheit wahren.
Umgang mit der “Tech-Bro”-Elite
Die aktuellen politischen Entwicklungen in den USA zeigen eine bedenkliche Verquickung von Tech-Mogulen mit Regierungsinteressen. In den USA formiert sich ein „politisch-technologischer Komplex“ – eine Allianz etwa zwischen rechtspopulistischen Akteuren und Big-Tech-Plattformen –, der durch Deregulierung, Desinformation und Angriffe auf Aufsicht demokratische Institutionen untergräbt. So war bei der Amtseinführung von Donald Trump 2025 die Tech-Elite prominent vertreten, darunter Mark Zuckerberg, Jeff Bezos und Elon Musk. Musk – als Besitzer von X (Twitter) – wurde sogar ins Team des ex-Präsidenten Trump geholt.
Gleichzeitig weigert sich seine Plattform, europäische Regeln konsequent umzusetzen, und geriet wegen Verbreitung von Desinformationen im Umfeld deutscher Wahlen ins Visier der EU-Kommission. Dass europäische Regierungen ihre Bürgerkommunikation auf einer privaten US-Plattform abwickeln müssen, deren Eigentümer offen parteiisch agiert und gegen EU-Vorgaben verstößt, ist nach Expertenmeinung „tief problematisch“.
Europäische Netzwerke würden solche Abhängigkeiten von einzelnen Tech-Oligarchen reduzieren. Sie könnten zudem europäische Rechtsstandards (z.B. Datenschutz-Grundverordnung, Digital Services Act) von Grund auf einhalten, statt im Nachhinein erzwungen werden zu müssen.
Kurz: Eigene Plattformen geben Europa die Kontrolle über digitale Kommunikationskanäle zurück – ein demokratisches Gebot in Zeiten algorithmischer Öffentlichkeit.
Datenschutz & Rechtsdurchsetzung
US-Konzerne verfolgen ein profitgetriebenes, dereguliertes Modell, das oft mit europäischen Prinzipien kollidiert. Galt früher „Privacy is dead and social media holds the smoking gun“ – der Schutz der Privatsphäre sei tot und soziale Medien tragen die Schuld – hat Europa mit strengeren Gesetzen wie der DSGVO reagiert.
Doch Vorfälle wie die Snowden-Enthüllungen (2013) oder der Cambridge-Analytica-Datenskandal (2018) zeigten, dass unsere Daten auf US-Plattformen nicht sicher sind. Europäische Netzwerke könnten Datensicherheit und Datenschutz als Kernfeature etablieren. Ein EU-geförderter Pilot („EU Voice“ auf Mastodon) versprach z.B. soziale Medien, die personenbezogene Daten nur in der EU speichern, keine Werbung enthalten und keine Nutzerprofile zu Werbezwecken erstellen.
Dies zeigt, dass ein europäischer Ansatz möglich ist, der Grundrechte von Anfang an respektiert. Eigene Plattformen würden es Europa zudem erlauben, eigene Gesetze effizient durchzusetzen – illegale Inhalte wie Hassrede könnten gemäß hiesigen Gesetzen zügig entfernt werden (wie es das deutsche NetzDG verlangt), statt auf die Kooperationsbereitschaft fremder Konzerne angewiesen zu sein.
Gesellschaftliche Gründe: Kultur, Öffentlichkeit und Gemeinwohl
Europäische Werte & öffentliche Debatten
Soziale Medien haben in den letzten zwei Jahrzehnten tiefgreifend verändert, wie Bürger Zugang zu Information finden und miteinander kommunizieren. Indem wir jedoch Design und Kontrolle dieser digitalen Kommunikationsräume US-amerikanischen (oder chinesischen) Händen überlassen, geben wir unwillkürlich einen Teil unserer mentalen Weltdeutung in fremde Obhut . Die Form, in der Nachrichten und Diskussionen auf heutigen Plattformen stattfinden – fragmentiert, oberflächlich, getrieben von Tempo und Kürze – wirkt sich direkt auf unsere kognitive Verarbeitung und politische Kultur aus.
Zudem bevorzugen die undurchsichtigen Empfehlungs-Algorithmen vielfach emotional aufgeladene, spalterische Inhalte, was eine Vergiftung des gesellschaftlichen Klimas begünstigt. Europäische Social Networks könnten dem entgegenwirken, indem sie transparente, öffentlich kontrollierte Algorithmen nutzen, die den demokratischen Diskurs fördern statt zu verzerren. So forderte etwa ein Gutachten deutscher Wissenschaftler, ein digitales „Gegengewicht“ zu kommerziellen Plattformen zu schaffen: faktenbasiert, werteorientiert und dem Gemeinwohl verpflichtet, um Hass und Fake News einzudämmen und eine freie Meinungsbildung zu gewährleisten.
Sozialer Zusammenhalt & Integration
Studien zeigen, dass die großen profitorientierten Netzwerke kaum Wert auf Bildungsinhalte, sachliche Information oder Integration legen – stattdessen steht die Steigerung von Engagement und Profit im Vordergrund. Schutzmechanismen gegen Hassrede wurden zuletzt sogar geschwächt und Faktenchecker entlassen, was die Verbreitung von Hetze und Lügen erleichtert. Dies gefährdet den gesellschaftlichen Zusammenhalt, da gemeinsame Faktenbasis und respektvoller Diskurs erodieren.
Europäische Plattformen könnten hier mit gutem Beispiel vorangehen: Etwa durch offene Moderationsstandards, Kooperation mit qualitätsjournalistischen Angeboten und Förderung von Inhalten mit Bildungs- und Integrationswert. Die Perspektive der öffentlich-rechtlichen Medien in Deutschland geht genau in diese Richtung. So betont Malu Dreyer (Vorsitzende des ZDF-Verwaltungsrats), man werde derzeit „dominiert von Plattformen, wo Fakten nicht mehr Fakten sind und deren Grundwerte nicht unseren demokratischen Grundwerten entsprechen“. Deshalb müsse ein Sender wie das ZDF in der digitalisierten Welt neue Rollen übernehmen.
Konkret sollen geschützte Online-Räume geschaffen werden, die konstruktive Diskussion ermöglichen und Bürger vor Desinformation schützen. Dies zeigt ein grundlegend anderes Paradigma: Weg von Filterblasen und Empörungslogik, hin zu einer öffentlich-rechtlichen digitalen Infrastruktur, die dem gesellschaftlichen Diskurs dient.
Kulturelle Vielfalt & Europäische Identität
Ein weiterer gesellschaftlicher Grund ist der Erhalt unserer kulturellen Vielfalt und Identität im Netz. Die dominanten Plattformen priorisieren oft Inhalte und Formate aus den USA, was europäische Stimmen an den Rand drängt. Eine eigene europäische Social-Media-Plattform könnte gezielt europäische Content-Schaffende, Künstler und Medien sichtbarer machen. Hochwertige Inhalte made in Europe – ob in Journalismus, Wissenschaft oder Kultur – bekommen so einen prominenten Platz, anstatt im Strom US-amerikanischer Trending-Topics unterzugehen.
Dies wäre auch ein Mittel gegen die derzeitige anti-intellektuelle Tendenz mancher Online-Communities: Europäische Wissenschaft und seriöse Informationen (z.B. zu Klimawandel oder Gesundheit) könnten aktiv verbreitet werden, selbst wenn sie gerade nicht „viral“ sind. Darüber hinaus würde ein europäisches Netzwerk die Mehrsprachigkeit unseres Kontinents berücksichtigen. Durch Integration automatischer Übersetzung und Unterstützung aller EU-Amtssprachen könnte gewährleistet werden, dass kein Bürger aufgrund von Sprache ausgeschlossen wird. Ein solches digitales Forum, in dem Institutionen, Medien, Kultur und Bürger zusammenkommen, könnte das Gemeinschaftsgefühl stärken und eine paneuropäische Öffentlichkeit fördern. G
erade vor dem Hintergrund, dass inzwischen 42 % der jungen Europäer (16–30 Jahre) angeben, sich hauptsächlich über soziale Netzwerke zu informieren, hängt die Zukunft unserer demokratischen Informationskultur maßgeblich von den genutzten Plattformen ab. Europäische Netzwerke, die unsere gemeinsamen Werte – Demokratie, Vielfalt, Menschenwürde – verkörpern, wären ein wichtiger Baustein, um diese Werte im digitalen Zeitalter zu bewahren.
Unabhängigkeit der Medien & Wirtschaft:
Schließlich spielt auch die wirtschaftliche und mediale Autonomie eine Rolle. Momentan dominieren US-Konzerne nicht nur die Kommunikation, sondern schöpfen auch den Großteil der Online-Werbeeinnahmen ab, was heimische Medienmärkte schwächt. Europäische Social-Media-Alternativen könnten faire Wettbewerbsbedingungen schaffen und lokale Anbieter stärken.
Zum einen würde die EU ihre Wettbewerbshoheit besser ausüben können – anstatt ständig mit Milliardenstrafen hinterher zu regulieren, könnte man von vornherein Plattformen fördern, die europäischen Wettbewerbs- und Transparenzstandards genügen.
Zum anderen könnten solche Netzwerke im Idealfall gemeinwohlorientierte Finanzierungsmodelle nutzen (z.B. öffentliche Finanzierung oder Genossenschaftsstrukturen), sodass nicht allein Gewinnmaximierung durch Werbung die inhaltliche Ausrichtung bestimmt. Dies käme dem europäischen Medienauftrag entgegen: Information als öffentliches Gut statt als rein kommerzielles Klickprodukt.
Psychologische Gründe: Wohlbefinden, Jugendschutz und Vertrauen
Mentale Gesundheit & Wohlbefinden
Psychologische Forschungsbefunde geben Anlass zur Sorge über die Auswirkungen der etablierten Social-Media-Plattformen auf das Wohlbefinden der Nutzer. Intensive soziale-Medien-Nutzung wird in verschiedenen Studien mit erhöhtem Auftreten von Ängsten, Depressionen und Einsamkeitsgefühlen in Verbindung gebracht. Insbesondere bei Jugendlichen kann exzessives Scrollen das Risiko von Selbstwertproblemen bis hin zu Selbstverletzungs-Gedanken steigern.
Eine EU-weite Untersuchung verzeichnete, dass die durchschnittliche Online-Zeit junger Menschen sich in den 2010er-Jahren verdoppelt hat – 2020 lag sie bereits bei 2 bis 3,5 Stunden täglich. Wenn Jugendliche einen erheblichen Teil ihres Lebens online verbringen, sind sie dort nicht nur mit positiven Inhalten konfrontiert, sondern auch mit Cybermobbing, Gerüchten und unrealistischen Darstellungen des Lebensanderer. Diese ständige Vergleichbarkeit und das Buhlen um Likes können das Selbstwertgefühl massiv beeinträchtigen.
Europäische Social Networks könnten dem entgegentreten, indem sie bewusst auf suchtfördernde Mechanismen verzichten und den Fokus auf gesundes Online-Verhalten legen. So ließe sich etwa durch Design-Entscheidungen (z.B. Verzicht auf endloses Scrollen oder sichtbare Like-Zähler) und durch Algorithmen, die Diversität statt nur Engagement belohnen, ein weniger toxisches digitales Umfeld schaffen.
Suchtprävention durch anderes Design
Die großen Plattformen haben über Jahre mit psychologischen Tricks gearbeitet, um Nutzer möglichst lange zu binden. Tech-Konzerne setzen A/B-Testverfahren ein, um interfaces immer weiter zu optimieren – leider oft im Sinne maximaler Verweildauer statt maximalem Wohlbefinden. Ein bekanntes Beispiel ist der Like-Button, der als sozialer Verstärker fungiert: Die Aussicht auf positive Bestätigung aktiviert unser Belohnungssystem und zieht uns immer wieder zurück auf die Plattform.
Neurowissenschaftliche Experimente zeigen, dass bei Jugendlichen das Gehirn besonders stark auf viele „Likes“ reagiert – während der Pubertät verstärkt sich dieser Effekt sogar. Junge Menschen werden also gezielt anfälliger für die Feedback-Schleifen der sozialen Medien. Hinzu kommt: Das Gehirn Jugendlicher ist in Bezug auf Selbstkontrolle noch in Entwicklung, was den Umgang mit suchterzeugenden Angeboten erschwert.
Suchtartige Nutzung sozialer Netzwerke ist mittlerweile als “Social Network Use Disorder” Forschungsgegenstand; Metaanalysen weisen darauf hin, dass bis zu ein Drittel der Jugendlichen entsprechende Symptome zeigen. Diese Erkenntnisse rufen nach präventiven Maßnahmen: Ein europäisches Netzwerk-Projekt könnte von Beginn an Jugendschutz und „Safety by Design“priorisieren. Denkbar wären z.B. strengere Alterskontrollen, standardmäßig aktivierte Zeitlimiter oder Inhaltsfilter, die junge Nutzer vor schädlichen Trends (Selbstoptimierungswahn, gefährliche Challenges etc.) bewahren.
Auch könnten europäische Anbieter enger mit Schulen und Bildungseinrichtungen kooperieren, um Medienkompetenz zu fördern – bereits jetzt laufen Projekte wie „ZDF goes Schule“, um Jugendlichen einen kritischen Umgang mit Social Media beizubringen.
Vertrauen, Datenschutz und psychologische Sicherheit
Ein oft unterschätzter Aspekt ist der Vertrauensverlust, den viele Nutzer gegenüber profitorientierten sozialen Netzwerken empfinden. Die ständigen Datenskandale und das Gefühl, rund um die Uhr überwacht und analysiert zu werden, erzeugen psychischen Stress. In europäischen Umfragen äußern Bürger immer wieder Unbehagen darüber, dass ihre persönlichen Daten für unbekannte Zwecke in fremden Händen liegen – ein Klima des digitalen Misstrauens.
Europäische Netzwerke könnten hier ein anderes Versprechen geben: Transparenz und Datensparsamkeit. Wenn Nutzer wissen, dass ihre Daten auf heimischen Servern bleiben, nicht ungefragt weiterverkauft oder für aggressive Mikrotargeting-Werbung genutzt werden, schafft das psychologische Sicherheit. Dieses Vertrauen ist zentral, denn es beeinflusst, wie offen und unbefangen Menschen eine Plattform nutzen.
Ein Netzwerk in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft oder unter europäischer Regulierung könnte sich den Ruf erwerben, ein „sicherer Hafen“ zu sein – frei von manipulativen Geschäftspraktiken. Dies würde die Nutzerzufriedenheit und letztlich auch die Bereitschaft zur zivilisierten Teilhabe am Online-Diskurs erhöhen.
Zusammenfassung: Die psychologischen Gründe für europäische Social Networks liegen also darin begründet, dass wir digitale Umgebungen brauchen, die mit unserer psychischen Gesundheit und Entwicklung im Einklang stehen. Die derzeitigen US-Plattformen haben – gewollt oder ungewollt – Mechanismen befeuert, die Sucht, Unzufriedenheit und Polarisierung begünstigen. Ein europäischer Ansatz bietet die Chance, Social Media menschenzentrierter zu gestalten: Technik, die dem Menschen dient und nicht umgekehrt. So könnten soziale Netzwerke endlich wieder sozial im besten Sinne sein – Räume für Austausch, Gemeinschaft und konstruktive Diskussion, ohne die bekannten toxischen Nebenwirkungen.
Fazit
Angesichts der dargelegten Punkte wird deutlich, dass Europas Ruf nach eigenen sozialen Netzwerken auf fundierten politischen, gesellschaftlichen und psychologischen Überlegungen beruht. Politisch geht es um die Verteidigung der Demokratie, digitaler Souveränität und Rechtsstaatlichkeit in Zeiten, in denen Tech-Giganten und fremde Regierungen über globale Plattformen Einfluss nehmen. Gesellschaftlich steht die Stärkung einer europäischen Öffentlichkeit, kultureller Vielfalt und des sozialen Zusammenhalts gegen die Zerreißproben der kommerziellen Medienlogik im Vordergrund. Und psychologisch schließlich geht es um den Schutz der mentalen Gesundheit, der Privatsphäre und der Würde der Nutzer – insbesondere der jungen Generation – vor den negativen Effekten ungebremster Social-Media-Dynamiken.
Die Idee europäischer Social Networks ist mehr als nur technischer Idealismus; sie ist eine Reaktion auf sehr reale Missstände und Gefahren im aktuellen digitalen Ökosystem. Natürlich sind die Herausforderungen enorm – von der kritischen Masse an Nutzern über Finanzierung bis zur technischen Umsetzung. Doch die Alternative, nämlich am Status quo festzuhalten, birgt das Risiko, weiter an autonomer Kontrolle, demokratischer Qualität und gesellschaftlichem Zusammenhalt zu verlieren. Führende Stimmen fordern daher, Europas Politik möge weniger reden, „weniger Worte und mehr Taten“ zeigen, um digitale Alternativen voranzubringen.
Unterm Strich sprechen die belegten Gründe dafür, jetzt in Europas eigene soziale Plattformen zu investieren – im Dienste der Demokratie, der Gesellschaft und der Bürger. Ein europäisches Social Network, das unsere Werte „by design“ integriert, könnte zu einem Leuchtturmprojekt werden: für ein Internet, das uns gehört und dem Gemeinwohl verpflichtet ist. Die aktuelle Debatte – etwa im Rahmen des Projekts “Reinvent Social Platforms” von SWR, Media Lab Bayern und weiteren öffentlich-rechtlichen Partnern – zeigt, dass der Wille zu Neuansätzen da ist. Es gilt nun, diese Vision mit wissenschaftlicher Expertise und politischem Mut umzusetzen. Die dringliche Botschaft lautet: Europa muss die Gestaltung seiner digitalen Zukunft selbst in die Hand nehmen – seiner Demokratie zuliebe.
Tipps zum Weiterlesen:
Daniela Vey
Seit 2004 als leidenschaftliche Informationsdesignerin selbständig. Neben meiner Tätigkeit als Dozentin für verschiedene Hochschulen und Akademien, vermittle ich mit Begeisterung mein Expertenwissen in den Bereichen Social Media, Design und User Experience. Auf der AllSocial-Konferenz trifft man mich als Moderatorin und Speakerin.
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